› Franz von Asissi - Das Modell eines alternativen Lebens

1.0 Die Erfolgstory eines »Aussteigers«?

Franz von Asissi war der Ordensstifter der Franziskaner, dessen Franziskanerorden 1208 vom Papst anerkannt wurde und die Lehre vertrat außer den Kleidern am Leib keine anderen Besitztümer zu haben. Der Orden, lateinisch »Ordo Fratrum Minorum«, »Orden der Minderen Brüder«, entwickelte sich aus der Bruderschaft um Franziskus in den Jahren zwischen 1210 und 1220. 1223 erfolgte die Anerkennung der Gemeinschafts-Regel durch Papst Honorius III.

Franz von Asissi fand in kürzester Zeit eine Menge Anhänger (nicht nur »mindere Brüder«, sondern auch Reiche), mit denen er in völliger Armut lebte und predigte. Sie siedelten sich in den Städten an, da sie, wenn sie nichts zum essen hatten, an den Türen um etwas baten. Dort wurde die allgemeine Seelsorge besonders für Arme und Kranke (u.a. Aussätzige) zu ihrer Hauptaufgabe. Sie gründeten Häuser (Konvente) und beschäftigten sich zunehmend mit der Wissenschaft. 1228 wurde Franz von Asissi heilig gesprochen.

Nachdem sich ihm 11 Gefährten angeschlossen hatten, führte er sie von Assisi nach Rom, um den Segen des Papstes zu erwirken. Papst Innozenz III. gab ihnen 1208 seinen Segen unter der Bedingung, dass sie Geistliche (Kleriker) würden und ein Oberhaupt wählten. Franz wurde zum Oberhaupt gewählt, die Gruppe kehrte nach Assisi zurück. Hier wurde ihnen die Nutzung der kleinen Kapelle von Santa Maria degli Angeli aus dem Besitz des Benediktinerklosters vom Berg Subasio zugesagt. Von dort aus zogen die Brüder der rasant wachsenden Gemeinschaft in alle Himmelsrichtungen, um das Evangelium zu verkünden.

Nach dem Tod von Franziskus wurde in seiner Heimatstadt über seinem Grab ein Kloster mit Basilika errichtet. Einige der Anhänger störte die Pracht des Baus, da dies sich nicht mit den Armutsidealen des Ordens vereinbaren ließ. Zur Beendigung des daraufhin entbrennenden Streites verfügte Papst Gregor IX., dass eine gewählte Ordensverwaltung Gelder besitzen dürfe und der Bau von Klöstern den Absichten des Ordensgründers nicht widerspräche.

2.0 Wie alles begann...

Giovanni Bernardone war der Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes und seiner französischen Ehefrau; das Elternhaus kann bis heute besichtigt werden. Als Jüngling bekam er den Rufnamen Francesco wegen seiner von der Mutter geerbten Vorliebe für die französische Sprache und das ritterlich-höfisches Leben. Er führte ein fröhliches und sorgloses Leben und wollte Ritter werden. Nach einer Schlacht zwischen Assisi und Perugia wurde er über ein Jahr in Perugia festgehalten und litt während seiner Gefangenschaft an einer schweren Krankheit, die ihn zu seiner Bekehrung führte. 1203 wurde er aus der Gefangenschaft befreit, kehrte nach Assisi zurück, unternahm eine Wallfahrt nach Rom und pflegte Leprakranke. Schon in jener Zeit galt er als Sonderling und hatte unter Spott zu leiden; er aber ging geduldig wie ein Taubstummer und mit heiterem Gesicht durch die Menschenmenge. Sein Vater machte sich Gedanken, was den Sohn wohl zu solcher Gelassenheit trotz aller Kränkungen und zu solcher Weltverachtung motivierte.

Für die Wiederherstellung der kleinen Kirche S. Damiano verkaufte Franziskus im Jahr 1207 einige Tuchballen aus dem Besitz seines Vaters und wurde von diesem zur Rede gestellt; Franziskus entledigte sich der Überlieferung nach als Antwort vor den Augen des Bischofs und einer großen Menge Zuschauer aller seiner Kleider und entsagte dem Erbe mit den Worten »Weder Geld noch Kleider will ich von dir, von jetzt an nenne ich nur noch einen Vater, den im Himmel!« Er rannte nackt aus der Stadt und verabschiedete sich so von Herkunft und Gesellschaft. 1207 bis 1209 führte er ein Einsiedlerleben, währenddessen wird ihm der Aufbau von zwei anderen zerstörten Kirchen zugeschrieben.

Während einer Messe im Jahr 1208 soll Franziskus eine Stimme vernommen haben, die ihn mit dem Wortlaut des Matthäusevangeliums aufforderte, in die Welt zu gehen, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun (vgl. Mt 10, 5-14). Alte Freunde neckten ihn, seine Braut heiße nun »Armut«. Die Berufung zur Armut, zu hilfreicher Tat und Predigt legte er seiner Regel mit der Gründung des »Ordens der Minderbrüder«, »Minoriten« 1209/10 zugrunde: er versammelte zwölf Apostel um sich, die die ersten Brüder des späteren »Ersten Ordens« der Franziskaner wurden und Franz zu ihrem Oberhaupt wählten.

1212 nahm Franziskus Klara von Asissi, eine junge Nonne adliger Abstammung, in seine Gemeinschaft auf. Durch ihre Bekehrung wurde die Schwesterngemeinschaft der Klarissinen gegründet, der spätere »Zweite Orden« der Franziskaner. Von den Benediktinern bekam er die kleine Kirche S. Maria degli Angeli unterhalb von Assisi geschenkt; Franziskus benannte sie in »Portiuncula« um und baute daneben ein Haus, das das Stammkloster der Franziskaner wurde.
Über Franziskus' Grab wurde 1228 - unmittelbar vor seiner Heiligsprechung - mit dem Bau der Doppelkirche San Francesco begonnen. Sie besteht aus zwei übereinander gebauten Kirchen. Der Papst selber hatte den Grundstein gelegt und der Bau wurde 1253 fertig gestellt. Aus Angst vor Reliquienräubern blieb die Grabstätte zunächst unbekannt und wurde erst 1818 gefunden; nun wurde das Grabmal geschaffen.

Anton Maier und Mario Haselbacher (J´┐Żnner 2004, 1AD)